Schamanin Lilie

Geschichte

Schamanin Lilie und Sonne, dazu auf einem Schälchen getrocknete Kräuter (Inhalt verschiedener Teebeutel) als Anschauungsmaterial in die Mitte stellen, große Kanne Kamillentee, lauwarm und für jedes Kind einen Becher bereit halten.

"Nein, nein!" Sonne wälzt sich im Schlaf hin und her. "Psch, psch, psch!" Lilie, Sonnes Mutter, weckt sie sanft. "Was hast du geträumt?" fragt Lilie. Sonne schaut sie ganz verstört an: "Ich weiß es nicht mehr." Sonne träumt oft schlecht. Sie weiß aber meistens nicht, was sie geträumt hat. Langsam macht Lilie sich Sorgen. "Morgen früh gehen wir beide Kräuter suchen!" sagt sie zu Sonne, "Dann machen wir dir ein Traumkissen, damit du wieder schön schläfst." Da es noch mitten in der Nacht ist, schlafen alle wieder ein, bis der Morgen anfängt zu grauen. Nach dem Frühstück geht es los; Lilie und Sonne gehen zusammen auf Kräutersuche. Sie brauchen Lavendelblüten, Salbei, Iriswurzel, Zedernspäne, Farnkraut, Veilchen- und Kamillenblüten. Lilie ist eine Schamanin. Eine Schamanin ist so was wie ein Medizinmann - mit dem Unterschied, sie ist kein Mann sondern eine Frau, also Schamanin. Sie kennt alle Pflanzen und alle Wurzeln. Sie weiß, welche Kräfte die Pflanzen haben und was sie damit machen muss, um Krankheiten zu lindern und zu heilen. Manche Pflanzen müssen getrocknet werden, dann kann Lilie daraus einen Tee zubereiten. Oder sie macht Umschläge und Salben daraus. (An dieser Stelle den Kamillentee verteilen und fragen, ob die Kinder das nicht vielleicht schon einmal getrunken haben - gut gegen Bauchweh.)

Bei der Suche nach den ganzen Pflanzen hat Sonne viel gelernt. Sie weiß jetzt, wie die Blumen und Pflanzen heißen und was man alles damit machen kann. Sie ist erstaunt, verblüfft und will auch Schamanin werden, wenn sie groß ist.

Auf dem Rückweg erzählt Lilie ihrer Tochter eine Geschichte: "Früher, als ich so klein war wie du, hatte ich auch oft schlimme Träume. Meine Mutter hat einen Traumfänger für mich gemacht. Das ist ein Kreis aus gebogenem Holz, in dem wie bei einem Spinnennetz Schnüre gespannt sind. Dieser ist mit Federn und Lederbändern geschmückt. Gute Träume hat der Traumfänger durchgelassen und schlechte Träume festgehalten. Daran haben früher die Kinder geglaubt. Aber - pst - ganz so war es nicht. Trotzdem habe ich manchmal weiter schlecht geträumt." Lilie zwinkert Sonne ein Äuglein zu.

Am Tipi angekommen, vermischt Lilie alle gesammelten Zutaten für das Traumkissen. Sie steckt die Zutaten in ein schönes Beutelchen und gibt dies Sonne. "Lege es abends unter dein Kissen. Du wirst sehen, dass du besser schläfst und die schlechten Träume weniger werden." Sonne schnuppert daran. Es riecht gut. Nun hoffen wir, dass es bei Sonne wirkt.

Sonne und Lilie zum Tipi stellen.

Wer ein Traumkissen besitzt, hat nach indianischer Sage besonders schöne Träume und einen erholsamen Schlaf. Dies kann in der Gruppe für alle Kinder gefertigt werden.

So geht's: Füllung: zwei Teile Lavendelblüten, zwei Teile Salbei, ein Teil Iriswurzel, ein Teil Zedernspäne, zwei Teile Farnkraut, ein Teil Veilchenblüten und ein Teil Kamillenblüten. Alle Kräuter vermischen. Größere Kinder können ein kleines Quilt nähen und dies mit der Mischung füllen. Jüngere Kinder legen die Mischung auf ein Stoffquadrat, nehmen (mit Hilfe) alle Seiten und Ecken hoch und binden das Söckchen ab. Das kleine Kissen kann unter oder neben das eigene Kopfkissen ins Bett gelegt. einfach ins Zimmer oder in den Kleiderschrank gehängt werden.